DIE ANDERE SEITE DER NATURE ONE
Ausstellung in Kastellaun: Fotografien von Rüdiger Müller auf der Unterburg
Wenn der Hunsrück bebt, misst man das nicht auf der Richterskala, sondern in Dezibel. Auch in diesem Jahr pilgern wieder Zig-Tausende zur Nature One, Europas größtem Festival für elektronische Tanzmusik, auf die Raketenbasis Pydna bei Kastellaun. Dann wummern die Beats und die Stimmung tobt am Siedepunkt. Mit dem Phänomen Nature One beschäftigt sich auch eine Fotoausstellung, umweit des Geschehens, im Haus der regionalen Geschichte auf der Unterburg Kastellaun. Der Kölner Autor und Fotograf Rüdiger Müller hat sich eine Nacht auf dem Festivalgelände um die Ohren geschlagen. Was seine Kamera dabei einfängt, ist nicht das, was man gemeinhin erwartet: Keine Raver, die sich beglückt in den Armen liegen und fürs Objektiv die Partylaune herauskehren. Müllers manchmal düstere, oft melancholische und stimmungsvolle Fotografien beschreiben die leisen Zwischentöne eines lauten Massenevents. Keine Festival-Fotografie im klassischen Sinne – so wie die Nature One auch kein Festival wie jedes andere ist. Der Ort hat seine ganz eigene Geschichte: So thematisieren die Fotos und Inszenierungen der Ausstellung vielmehr das Spannungsverhältnis zwischen Natur, Musikfestival und dem Gelände mit militärischer Vergangenheit. Es sollte zur Zeit des Kalten Krieges und Eisernen Vorhangs als Lager für abschussbereite Atomraketen mit Ziel Sowjetunion dienen. Die Bunkeranlagen von damals stehen noch immer – heute in Beschlag genommen für die friedliche, Völker verbindende Sache: Die Musik.
Die Ausstellung ist zu sehen vom 2. Juli bis zum 29. August 2010. Zur Eröffnung am 2. Juli um 19 Uhr sprechen Dr. Marlon Bröhr, Bürgermeister der Stadt und Verbandsgemeinde Kastellaun und Dorothée Henschel vom Stadtmuseum Simeonstift in Trier. Der Eintritt zur Eröffnung ist frei.